François-René de Chateaubriand

Einer der bekanntesten französischen Schriftsteller war (und ist es heute noch) François-René de Chateaubriand. Geboren wurde er im Jahre 1768 als jüngstes von 10 Kindern einer adligen Familie in der Bretagne, gestorben ist er 1848 in Paris als bekannter Schriftsteller. Er unternahm zahlreiche ausgedehnte Reisen – unter anderem 1791 in die ehemaligen französischen Besitzungen nach Amerika – und avancierte zu einem der Begründer und Leitfiguren der Romantik. In Frankreich wird er auch gern als “Vater der Romantik” bezeichnet.

Romantischer Weltschmerz

Heutzutage verbinden die meisten Menschen mit “Romantik” Begriffe wie Liebe und Sehnsucht. Zu Zeiten Chateaubriands bedeutete romantische Lyrik, romantische Schriftstellerei die radikale Abkehr von althergebrachten künstlerischen Idealen. Es war eine regelrechte Revolution, die mit antiken Vorbildern brach und den Weg zu völlig neuen Themen ebnete. Die Phantasie sollte sich in der Kunst Bahn brechen und sämtliche Grenzen sprengen. Typisch für die Romantik war das Interesse an der eigenen Kultur, dem eigenen Land, Naturverbundenheit, Mythologie. Themen wie Gefühl, Leidenschaft, Seele, das Übernatürliche, das Ursprüngliche wurden auf einmal interessant. Nicht von ungefähr begannen in der Zeit der Hochromantik junge, gebildete Männer Volksmärchen und -sagen zu sammeln. Das französische Pendant zu den Gebrüdern Grimm war Charles Perrault, dessen Märchensammlung wir beispielsweise auch Rotkäppchen und Aschenputtel verdanken. Romantische Werke wurden oft zu Kultbüchern ganzer Generationen junger Menschen. Aus Deutschland kennen wir das Phänomen bei Goethe, dessen tragischer Held Werther zum Vorbild zahlreicher Freitode junger, unglücklich verliebter Männer wurde. Zu seiner Zeit ebenfalls Kult waren die Erzählungen Atala und René von Chateaubriand. In Atala erzählt Chateaubriand die Geschichte einer jungen Halbindianerin, die zwischen der Erfüllung ihrer Liebe und dem Keuschheitsgelübde, das sie gegenüber ihrer französischen Mutter abgelegt hat, verzweifelt. Die junge Frau sieht schließlich nur den einen Ausweg und wählt den Freitod. Auf seiner Amerikareise traf Chateaubriand auf zahlreiche Indianer, die ihn jedoch enttäuschten. Zu sehr schienen sie ihm durch den Kontakt mit den Europäern von sich selbst entfremdet.
In René hingegen schuf Chateaubriand die Figur des vom Weltschmerz zerrissenen, melancholischen Künstlers und Intellektuellen, der dann beispielhaft für den Typus des Romantikers werden sollte.