René Descartes
Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich – dieses Zitat kennen viele, auch wenn sie von dessen Urheber noch nichts gehört haben: René Descartes. Descartes wurde 1596 geboren, wuchs jedoch aufgrund des frühen Todes seiner Mutter und der Wiederheirat seines Vaters nicht bei seiner Herkunftsfamilie auf. Seine Ausbildung erhielt er im Jesuitenkolleg von La Fleche, wo er gründlich in den klassischen mittelalterlichen Freien Künsten sowie speziell in Mathematik geschult wurde. Descartes hat seinerzeit sowohl die Mathematik als auch die Philosophie – die bei ihm ebenfalls mathematische Grundlagen hat – revolutioniert. Auch in der Naturwissenschaft – zu Descartes Zeiten gehörten die philosophischen und naturwissenschaftlichen Fächer untrennbar zusammen – hat er Bedeutungsvolles erreichen können.
Naturgesetze bestimmen den Lauf der Welt
Seine bekanntesten Werke sind der Discours de la méthode und die Méditations sur la philosophie première (Meditation über die Erste Philosophie). Der Discours behandelt die Themenfelder Erkenntnistheorie, Ethik, Metaphysik und Physik. Descartes zweifelt nicht an der Existenz eines Gottes – hätte er das getan, wäre er vermutlich als Ketzer auf einem Scheiterhaufen gelandet statt zu einem der großen Philosophen seiner Zeit zu werden – aber er betrachtet die Natur als durch allgemein gütige Gesetze geregelt. Für einen Menschen des 21. Jahrhunderts ist das Vorhandensein von Naturgesetzen eine banale Erkenntnis. Wir zweifeln beispielsweise nicht daran, dass ein Fluss nur bergab fließen kann, niemals aber bergauf. Die Menschen zu Descartes Zeit jedoch fanden diesen Gedanken fast ketzerisch, da es dann auch keine Wunder geben kann. Selbst Gott muss sich an die Naturgesetze halten.
Zweifle an allem
In derselben Schrift erläutert er die einzelnen Arbeitsschritte, mit deren Hilfe man zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis gelangen kann: Zunächst muss alles skeptisch betrachtet werden, keine Behauptung soll man einfach für bare Münze nehmen bis nicht ihr Wahrheitsgehalt herausgefunden wurde. Desweiteren müsse man immer vom Einfachen zum Schwierigen vorgehen und das Problem in kleinen Einzelschritten genauestens analysieren. Dabei muss der Wissenschaftler bei seiner Untersuchung immer auf Vollständigkeit achten.
Descartes erfand die analytische Geometrie, womit es endlich möglich wurde, geometrische Probleme auf dem Rechenweg zu lösen. Richtungsweisend für unsere modernen Naturwissenschaften wurde seine Idee, dass sich in unserer Welt (Descartes spricht von der Objektwelt) alles durch Druck und Stoß ergibt – d.h. nichts bewegt sich einfach so, es bedarf eines Anstoßes, eines Grundes. Auch den menschlichen Körper beschrieb er als mechanisches Modell.
René Descartes starb 1650 am Hof der schwedischen Königin Christina I., vermutlich an einer durch die kalte und feuchte Witterung ausgelösten Lungenentzündung.